Unterwegs im Osterbach

Hier ebbes zum Homberger Wohngebiet „Osterbach“. Dieses ist seit den späten 60er Jahren nach Osten hin gewachsen, ist relativ ruhig und einigermassen im Grünen gelegen. Ich denke, es beginnt ungefähr östlich der „Sau“ bzw. des „Bingels“. Hier findet sich – neben öffentlichen Einrichtungen wie Kindergarten und Grundschule – vor allem der Einzelhandel Hombergs, der sich gerade in den letzten 20 Jahren dort angesiedelt hat. Den Anfang hat wohl seinerzeit das Delta (heute Herkules) gemacht, schon damals ein sehr gut sortierter Laden und seinerzeit wohl auch der einzige seiner Art. Am Wochenende war das Gelände des oliv / orange gehaltenen Marktes ein toller Platz zum Rollschuh laufen; wäre der Markt nicht erweitert worden, noch heute könnte man dort Hautfetzen von mir finden. An dieser Stelle einmal ein ernstgemeintes Lob von mir an die langjährige Leitung dieses Geschäftes, das Sortiment ist wirklich groß und sucht seinesgleichen. Hört sich doof an, aber bspw. fand sich in Trier lange Zeit nichts vergleichbares. Lediglich kleine, schäbige Fillialen verschiedener Geschäfte. Von M-V will ich erst gar nicht reden. Naja, dann folgte jedenfalls, soweit ich mich recht erinnere, Aldi Nord (die waren zunächst in der Innenstadt [Kassler Straße]). Zu dem Zeitpunkt war die Homberger Innenstadt nach meiner Erinnerung aber noch einigermaßen konkurrenzfähig. Spätestens nach Bau des Herkules Baumarktes sowie des Efze Centers (ein echter Geniestreich, endlich ein Orion!) und der Ansiedlung von Lidl, McDonalds etc. hat eine eindeutige Verlagerung des Homberger Einzelhandels in den Osterbach eingesetzt, die Kaufkraft wird größtenteils dort gebunden. Verbunden mit altersbedingten Geschäftsaufgaben hat dies – nach meiner Meinung – zu einer gewissen Verödung der Innenstadt geführt. Wenn ich als Kunde in einer Vielzahl von Läden im Osterbach meine Einkäufe erledigen kann und dort im Prinzip alles lebensnotwendige finde, würde ich nicht extra für eine Kleinigkeit noch in die Stadt hinein fahren. Das bestelle ich dann eben schnell im Internet, ist meist eh günstiger. Durch die neu geschaffene Fußgängerzone wird dies noch unterstützt; seien wir einmal realistisch - der durchschnittsdeutsche Autofanatiker parkt nicht an der Wallstraße und setzt seine Massen in Schwung, um sich ein oder zwei Artikel zu besorgen, die er anderswo bequemer bekommt. Ich persönlich sehe daher in den nächsten Jahren einen weiter fortschreitenden Einzelhandelsschwund am Marktplatz. Schade. Ich denke auch nicht, das sich - quasi als Ausgleich - weitere Gastronomie ansiedeln wird, der Kuchen ist ja schon verteilt. Naja, genug gefaselt. Eigentlich geht es hier ja auch um den Osterbach und um Bilder.

Dazu fällt mir als erstes der Kindergarten ein - brainstorming: ich war in der Gruppe von Fr. Neumeier, die Wände im Kindergarten waren orange (70er!), es gab eine offene Küche mittendrin, Mittagsschlaf auf einer Art Feldbett (Gestänge mit Segeltuchstoff, Urinflecken), Karius & Baktus, Bauklötze, Dreiräder bei Saisonbeginn, grün und rot lackierte Stühle und Tische, ein Karton mit konfiszierten Spielsachen (darunter ein toller, 9schüssiger Colt), 2. Frühstück mit Nutella, eine Art Essen auf Rädern für „Nachmittagskinder“ (geliefert von einem orangenen, städtischen Fahrzeug mit einer Art Kran mit Arbeitsfläche, in dem die Thermobehälter standen???), ein mörderisches selbstkonstruiertes Karussell (ein Dreibein, in diesem ein an Ketten hängender Traktorreifen, der sich nach aufkuzzeln drehte - ich habs mal ohne festhalten versucht, seitdem: Dachschaden).

Was folgt zwangsläufig nach dem Kindergarten? Genau: Grundschule. Nochmal brainstorming: erster Schultag – ABC Schütze – Matchbox Auto bekommen – Matchbox Auto auf Tisch gestellt – Matchbox Auto geklaut bekommen, rennen in der Pausenhalle, grüner Scout Schulranzen mit gelbem Griff und Katzenaugen, seltsame Saugfische in Aquarium (Ancistrus sp.?), Pausenmilch oder Capri Sonne, Impfung beim Schularzt, Hausaufgaben vergessen, Flurdienst, Geruch nach alten Socken in der Umkleide der Sporthalle (riecht dort heute noch so; auch findet sich dort seit Urzeiten ein gestempelter Totenkopf an der Wand), Prinz Bumbau in Prinzessin auf der Erbse, Faschingsfeiern, Werkunterricht (AUA! – Aua liegt bei Saaßen, da *****ssen die Hasen auf die Straßen). Ein Bild aus dem Jahre 2004:

So, nun habe ich noch einen kleinen Videoclip gefunden, der noch auf meiner Festplatte schlummerte. Die Qualität ist wirklich sehr schlecht, ich habe den Clip 2005 mit meiner ollen Digitalkamera aufgenommen. Er beginnt auf der Fußgängerbrücke am Bingel …

Zu Grundschulzeiten war das Leben klasse: Vormittags Kumpels in der Schule, nachmittags Kumpels im „Revier“. Unser Revier bzw. unser Aufenthaltsraum, das waren die Straße im Osterbach sowie das Gebiet rund um den Katterbach. In die Stadt hat es uns glaub´ nie verschlagen, wir durften da alleine auch gar nicht hin. Die Westgrenze meines Reviers bildeten in jüngeren Jahren jedenfalls die Hochhäuser im Burkhardweg; manchmal traute man sich auch mal, etwas „verbotenes“ zu tun.

Am Rande der Parkplätze des damals auch dort befindlichen Katasteramtes (heute gibt es das nicht mehr in der damaligen Form, nennt sich jetzt Amt für Bodenmanagement und befindet sich im neu geschaffenen Behördenzentrum) konnte man über einen Trampelpfad (den gibts noch heute) die Melsunger Str. erreichen.

Man kam genau gegenüber der (Lieferanten?) Einfahrt des Kreiskrankenhauses heraus. Schnell die Treppe hoch, links um die Ecke - und da war er, der Krankenhauskiosk mit dem leckeren Stieleis! Nervenkitzel pur! (Erzähl das heute mal nem Kind, oh man…). Momentan findet sich statt eines Kiosk übrigens nur eine Baustelle.

Zu o.g. Hochhäusern kam (und kommt) man leicht über einen weiteren Trampelpfad. Dieser befindet sich am Ende der Werner-Forßmann-Straße am Rande eine Brachfläche. Heute gibt es ja dort die Straße „Unter dem Werrberg“. Von dort kann man auch – nach Überqueren der Melsunger Straße – schnell den Werrberg erreichen.

Wo sich W-F-Str. und U-d-W treffen, dort etwa findet man letztgenannten Pfad. An diesem Punkt ist auch das Dämmerungsbild entstanden, welches ich für den Seitenkopf dieses blogs verwendet habe.

Viel gibt es sonst nicht zu sagen zum Osterbach - eben ein nettes, ruhiges Stadtviertel in dem man gut aufwachsen konnte. Vielleicht fällt mir ja demnächst noch etwas ein. Nun jedenfalls noch einige Bilder in der folgenden slideshow.

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